
Autonomie - ein wichtiges Thema in unserer Zeit. Persönliche Autonomie - ist sie erreichbar? Wo machen wir uns fest und geben Freiheiten auf?
Freiheit ist nicht, zu machen, was man will, sondern zu wissen, was man nicht will und das nicht tun zu müssen.
Ein weites Feld...
Arno Gruen hat darüber ein Buch geschrieben, dass mich sehr in seinen Bann gezogen hat. Er erfaßt eine Grunddimension des mitmenschlichen Daseins: den Begriff der Autonomie, der nicht Stärke und Überlegenheit meint, sondern die volle Übereinstimmung des Menschen mit seinen eigenen Gefühlen und Bedürfnissen. Wo sie nicht vorliegt, entsteht Abhängigkeit, aber auch Herrschaftsanspruch.
Wem das mal in die Hände fällt: Lesen!
Hier ein paar Gedanken daraus:
"Die Schlussfolgerung drängt sich auf, dass in unserer Gesellschaft die wirklich Schwachen nicht diejenigen sind, die leiden, sondern jene, die vor dem Leiden Angst haben. Die Menschen, die am erfolgreichsten angepasst sind, sind die eigentlich Schwachen. Darum propagieren sie seit Jahrtausenden den Mythos, dass Empfindsamkeit Schwäche sei. Sie sind es, die allem Schmerz und Leiden durch Spaltung ihres Bewusstseins zu entkommen suchen. Sie sind die eigentlichen Träger einer verzerrten Realität, das heißt der Ideologie der Macht und des Herrschens.
Macht tötet Ideale.
Nur wenn wir dem anderen als einem anderen Menschen entgegenkommen, nicht um uns mächtig zu fühlen, sondern weil sein Leid unsere Sympathie auslöst oder wir seinen Mut bewundern; nur dann, wenn wir riskieren, unsere gemeinsame Menschlichkeit anzuerkennen, werden wir Autonomie freisetzen. Darüber hinaus können wir in dem Maße, in dem wir uns über diese Zusammenhänge im Klaren sind, dem Druck, ständig an unseren eigenen Gefühlen zu zweifeln und uns unserer Menschlichkeit zu schämen, entschlossen entgegentreten.
Es geht darum, den Kampf um unsere eigene Realität angesichts des allgemeinen Drucks, uns einer verzerrten und reduzierten „Wirklichkeit“ zu fügen, durchzustehen."
cocorosie - 15. Sep, 17:34